Archtop-Germany    CD des Jahres 2004

Archtop-Germany vergibt jedes Jahr den Titel “Archtop-Germany CD des Jahres”. Wichtig ist ein wesentlicher Beitrag eines Archtop-Gitarristen. Hier die Erste. Trotz der Vielfalt der außergewöhnlich guten Neuerscheinungen im Jahr 2004 fiel die Entscheidung auf das Acoustic Art Trio mit Klaus Sye an der Gitarre. CDs, die diesen Titel ohne Erscheinung von “filigran” verdient hätten, waren Lorenzo Petroccas “Ballads” und Peter Autschbachs “Pass it on”. Die CD hat eine weitere Nominierung erhalten: Auf der “AGAS”-Webseite hat sie, wenn auch etwas verspätet, den Titel CD des Monats April bekommen

Acoustic_Art_Trio_Cover

Eine solche Besetzung fordert von den Musikern eine gewisse Zurückhaltung, die der Musik gut tun kann, wenn es gelingt. Hier ist es gelungen! Das Werk ist außergewöhnlich schön, kammermusikalisch jazzig, hochinteressant und tatsächlich auch “filigran”. Man fühlt sich in die großartige Zeit von Bill Evans und Jim Hall zurückversetzt. Klaus Sye erinnert tatsächlich nicht nur vom Sound her an diesen großen Gitarristen, auch die geschmackvolle Linienführung seiner Improvisationen und die ausgepägt sparsamen Akkordvoicings lassen Verwandschaft hörbar werden. Mit dieser CD ist den Interpreten eine Musik gelungen, die den Zuhörer fesselt, ja geradezu verzaubert. (ap)

Hier weitere Stimmen zur CD, die dem Cover entnommen sind:

"Musikalisch komplexe und anspruchsvolle Jazzinterpretationen so klingen zu lassen, als gäbe es nichts Selbverständlicheres - dies gehört zu den schwierigsten Aufgaben, die sich ein Musiker stellen kann. Das Acoustic Art Trio mit Horst Mühlbradt am Piano, Klaus Sye an der Gitarre und Joachim Gerth am Kontrabass löst diese Aufgabe mit einer Grandezza, die nur aus erfahrungsgesättigter Souveränität erwächst.

Das einem zeitgenössischen Jazzverständnis verpflichtete Programm besteht überwiegend aus vielschichtigen Eigenkompositionen, die mit dem Mut zum erfrischend unkonventionellen musikalisches Neuland betreten. Hinzu kommen ungewöhnlich arrangierte Standards, die unverkennbar die versierte Handschrift des erfahrenen Arrangeurs Hort Mühlbradt und von Klaus Sye verraten. Interpretetionen von “Yesterdays”, “You don't know what love is” und “Somewhere” demonstrieren die hohe Kunst des Acoustic Art Trio, selbst oft gehörten Stücken elementar Neues abzugewinnen.

Die in ihrem Nuancenreichtum immer wieder verblüffende, traumwandlerische Sicherheit im Zusammenspiel ist das hörbare Ergebnis, jahrelangen intensiven gemeinsamen Musizierens.

Acoustic_Art_Trio

Es macht die besondere Qualität dieses Zusammenspiels aus, dass die Entfaltung musiklalischer Individualität und das dichte Ensemblespiel des Trios zu einer stimmigen Einheit verschmelzen. So werden Melodien und Harmonien zu einer kunstvoll-filigranen Textur verwoben, in der Goldfäden schimmern. Aller Modernität ungeachtet, folgt die Musik dabei doch stets einem fast klassischen Schönheitsideal, einem Ideal der Ausgewogenheit und des Gleichgewichts, in dem die besondere Artikulation eines jeden Tones von größter Bedeutung ist. Das Acoustic Art Trio knüpft an die große Tradition des kammermusikalischen Jazz an und zeigt ihm zugleich neue Wege auf."
Dr. Dirk Brietzke

Acoustic_Art_Trio_Stuecke

"...Nach Anhören der CD hatte ich das Gefühl, dass hier der Auspruch von Dave Brubeck "Jazz ist gegenseitige Sympathie” zutrifft. Außerdem finde ich, dass es moderne Kammermusik im besten Sinne ist. Bei einigen Titeln beeindrucken auch die Spaziergänge in die freundlichen Weiten der Harmonik..."
Eberhard Weise

"Vorweg sei gesagt: "das ist keine Produktion, die man sofort verstehen kann". Man muss schon ganz genau reinhören - und das möglichst ein paar mal - um zu verstehen, was die Musiker sagen wollen. Und endlich begreift man: Große Überraschungen bei den Arrangements und den Improvisationen. Letztlich entsteht ein homogener Klang von der angenehmen Art. - Bravo!"
Günter Fuhlisch

"Filigran, ein treffender Titel für die Musik dieser kammermusikalischen Besetzung - interessante, klangvolle Arrangements bekannter Standards, ebenso wie ausgeklügelte und originelle Eigenkompositionen fliegen den überraschten Zuhören an. Verhalten, zart-melancholisch und stimmungsvoll - doch ein plötzlicher Wechsel im Groove und ein zupackender Swing greift Raum. Im engen Zusammenspiel und doch mit viel persönlicher Bewegungsfreiheit kommt jedes Instrument zur Geltung und schafft hier sparsame Linien, dort füllige Voicings - doch immer geschmackvoll und intensiv. Eine Musik des traditionelleren Modern Jazz Idioms in filigraner Ausgewogenheit und Harmonie. es bleibt dem Zuhörer ein warmes Gefühl von Frieden und lang nachklingendes Lächeln."
Rolf Rosbigalle

Und hier, last not least, die Rezension von Alexander Schmitz aus dem Jazzpodium:

“Es gibt wenige Gitarren/Klaviertrios von solcher Ausgewogenheit, Trios, wohlgemekt, mit zwei so unterschiedlichen Instrumenten, die ja beide vertikal (harmonisch) wie horizontal (linear) musizieren können und deshalb immer in der Gefahr stecken, sich gegenseitig nach Kräften zu behindern. Pianisten schnappen leicht über, weil Gitarristen sich vor ihnen fürchten. Na ja, und Gitarristen schnappen leicht über, weil sie sich vor Pianisten fürchten. So ist das im allgemeinen, und da war´s dann völlig schnurz, ob Herb Ellis bei Peterson Akkorde ackerte oder bei Monty Alexander: Der Wassertäger für das “Ungeheur das brüllt, wenn man es an seinen Zähnen berührt”, wie einst der große Segovia zu frotzeln beliebte, blieb er allemal.

So, und nun aus Norddeutschland dies. Horst Mühlbradt, der in diesem Jahr 75 wird, am Flügel; Klaus Sye, in diesem Jahr 65, an der Gitarre; und Bassist Joachim Gerth, Jahrgang 1938: Diese drei gestandenen Herren lassen nun mit ihrem Debut “filigran” aufhorchen, das den hörbaren Beweis abliefert, dass ein Trio dieser Besetzung sehr wohl ein echter Klangkörper sein kann. Allen Dreien geht es nicht ums brillieren, nicht um Flinkfingerei, sondern -Frucht langer gemeinsamer Spielerfahrung- um Ausgewogenheit, kammermusikalische Tugenden, Kammerjazz als Delikatesse, also nicht um nur friedliche Koexistenz, sondern um Symbiose. Und es gelingt. “Filigran” ist ein langsames, aber nicht bedächtiges, ein ruhiges, aber nicht ängstliches, ein angenehmes, aber nicht unterhaltsam-gefälliges, sondern ein ausgesprochen anspruchsvolles balladeskes Album mit drei Mühlbradt-, zwei Sye- und weiteren Titeln von Bernstein (Somewhere), Raye (You don´t know what love is), Hall (Something Special) und Kern (Yesterdays). Mühlbradts eigenes “filigran” demonstriert in ganzer Breite, was diese Drei unter Geschmacks- und Stilsicherheit verstehen. Oder: Wer Hall selbst mit “Something Special” kennt, der wird schnell herausfinden, dass Klaus Sye - der übrigends mit “Sofie II” und “Paesaggio” Sätze aus eigenen Suiten-Kompositionen beigesteuert hat- sich dem großen Amerikaner keineswegs epigonal unterwirft, sondern dass er ihn reflektiert und in seine eigene ausgereifte Harmonien und Tonsprache integriert hat. Dieses Trio: das Beste am Norden.
Alexander Schmitz

 

                           zurück zu CDs  zurück zu Award

 

News  Hersteller  Spieler  Händler  CDs  Zubehör  Reparatur  Award   Workshops

Tips  Forum  Kleinanzeigen  Konzerte  Photos  In Art  Meeting  Impressum