|
Archtop-Germany Special Die Gitarre fürs Leben von Jürgen Will Irgendwann kommt man im Leben an einen Punkt, an dem man sich über seine zukünftigen Aktivitäten Gedanken macht, oder machen sollte. Zumal, wenn man laut statistischer Lebenserwartung noch gerade mal etwas mehr als 20 Jahre vor sich hat. In der verbleibenden Zeit sollte man sich nicht mit unnötigem Firlefanz beschäftigen. Die Frau fürs Leben hat man, vielleicht schon mehrfach, gefunden. Aber wie steht es mit der Gitarre fürs Leben? Die fehlte mir bislang noch! Nach Jahrzehnten im Umgang mit durchaus praktikablen Großserienklampfen, sollte es die endgültige Erfüllung meiner Gitarristenträume werden. Ein seriöses Instrument aus edlen Hölzern mit höchster Handwerkskunst gefertigt und dem „richtigen“ Markennamen auf der Kopfplatte. Eine ausgewachsene Gitarre für den distinguierten Gentleman – eine Gibson Jazzgitarre! Eine vollmassive, keine aus Sperrholz!
Es kam anders: Ausgestattet mit einer (für mich) ordentlichen Menge Geld und dem unbedingten Willen dieses auch gegen eine Gitarre einzutauschen, ging ich auf die Suche. Eine Gibson LeGrande von 1995 wurde auserkoren, getestet und verworfen, weil akustisch tot. Eine Super 400 C, ebenfalls aus den 90ern wurde verschmäht, weil krumm und verdreht von der der 7. Lage an aufwärts! Ich wunderte mich schon über die erstaunlich moderaten Preisvorstellungen des Verkäufers. Gleichzeitig zerfiel mein Glaube an die Qualität der Gibsonlegenden zu Staub. Eine L5 Wes Montgomery in Weinrot stand noch auf der Liste. Ein tolles, bezahlbares Instrument. Aber, na ja. Ich spielte früher schon eine ganze Reihe Gibsons. Von der SG-Standard über mehrere Paulas, von der 335 bis zur 355. Der Halspickup- Gibsonsound gab mir eigentlich keine neuen Impulse mehr. Außerdem habe ich schon eine, mit Seymour Duncan Pickups und einem Bigsby modifizierte, Epiphone Broadway im Einsatz, die genau diesen Sound produziert. Immer noch unschlüssig, führten mich meine Schritte eines Tages in den American Guitar Shop in Berlin. Dort hingen einige Gitarren, die zumindest wie Archtops aussahen. Gretsch, Heritage, Epiphone u.s.w. Irgend so’n Zeugs halt. Jedenfalls spielte ich einige an und hängte sie gleich wieder weg. Die unscheinbarste von allen, eine Launhardt FS2 holte mich schlagartig aus meinem Frust. Wer oder was ist denn Launhardt?! Nie gehört. Doch da war er, der holzige Klang! Fest konturierter Bass, sonore Mitten und brillante Höhen mit gebündelter Projektion. Da war sie, die Archtop mit der feinfühligen Ansprache einer Fingerstyle-Steelstring. Sie gab entlarvend präzise nur das wieder, was man auch wirklich spielte. Da war nichts, was beschönigend über spielerische Schludrigkeiten hinweg half. Über den Shadow-Pickup blieb dieser Charakter im verstärkten Betrieb voll erhalten. Der flache Hals mit Ebenholzgriffbrett – perfekt in Form und Abrichtung. So eine Gitarre suchte ich! Es hing ein Preisschild daran, mit einem Betrag, der irgendwie nicht passte. Zu billig. Na ja, machte auch nicht viel her, das Teil. Boden und Decke gepresst und nicht gestochen, keine Intarsien, kein Gramm Farbe, kein Gold, kein schimmernder Lack. Nur nacktes Holz mit dünner Mattierung und etwas Metall. Trotzdem war der Preis mehr als in Ordnung. Die Verarbeitung und die massiven Hölzer waren offensichtlich erstklassig. Mutig geworden, fragte ich nach einem Preisvorteil bei Barzahlung und bekam noch einen riesigen Luxuskoffer nebst 50,- Euro Preisnachlass angeboten. Ich zahlte und machte mich flinkfüßig aus dem Staub. Schmunzelnd damit rechnend, dass mir jemand hinterher rennt, um mir an der nächsten Straßenecke zu erklären, es handele sich um einen tragischen Irrtum. Man hätte leider, leider die Preisschilder vertauscht und ich müsse die Gitarre wieder hergeben…Es geschah nichts dergleichen! Später stellte sich heraus, dass mein Instrument aus einem geplatzten Handel stammte. Nobel von den Leuten im American Guitar Shop, mir das Instrument zu dem Preis zu verkaufen, der sie praktisch nur für die aufgelaufenen Kosten dieser ganzen Aktion entschädigte. Man wollte anscheinend dieses Instrument nur so schnell wie möglich loswerden. Danke Jungs! Bis heute besitze ich keine Luxusklampfe aus Amerika, für die ich einen Bodyguard bräuchte. Ist auch nicht mehr nötig. Kunde bei Mister Benedetto werde ich sicher auch nicht. Ich schleppe als Liedermacher die Launhardt angstfrei durch die Kneipen der Hauptstadt. Es spielt keine Rolle, ob ich akustisch spiele, über einen Verstärker, oder das Kabel direkt in die PA stöpsele. Heraus kommt immer m e i n Klang und der ist bei jedem meiner Stücke anders! Falls mal was zu Bruch geht, weiß ich, dass Thomas Launhardt, oder einer seiner Kollegen, mir jederzeit eine neue baut. Ich habe ja noch etwas Geld übrig! Hans-Jürgen Will
|
|||
|
News Hersteller Spieler Händler CDs Zubehör Reparatur Award Workshops Tips Forum Kleinanzeigen Konzerte Photos In Art Meeting Impressum |
|||