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WE THREE (Dan Kostelnik, Hammond B3, Michael Arlt, Gitarre; Scott Neumann, Drums) Freitag, 25.11.`05 bis Dienstag, 6.12.`05. Abflug Frankfurt Freitag, 12.45 - Ankunft NY, JFK Airport um 15.30 Ortszeit
Freitag Dan Kostelnik holt mich am Terminal 3 ab, wo ich schon oft angekommen bin. (Zum ersten mal war ich Anfang Januar 1985 für 10 Tage in New York. Ein Zwischenstop auf dem Weg nach Frankfurt am Ende meines einjährigen Studiums am Berklee College in Boston. Die Stadt war noch „gefährlich“ und es gab einige „no go areas“. Die Musik die ich gehört habe? NY Jazz Quartett mit Frank Wess, Roland Hanna, George Mraz, Marvin Smith im Village Vanguard, Joanne Brackeen und Clint Houston im Village Gate... Von 1995 bis `98 bin ich dann jedes Jahr für 2 bis 5 Wochen hingeflogen: Für Auftritte , zum Jammen, um Musik zu hören und Musiker zu treffen, zur `Weiterbildung´ und auch mal um einen Workshop zu geben.)
Wir fahren zu Dan nach Hause: Newton, New Jersey. Es gibt die allerdings opulenten Reste des Thanksgiving Dinners vom Vortag, inclusive Kaffee. Um 21.00 weiter zum `Cecil´s in West Orange um das Quintett von Schlagzeuger Cecil Brooks mit Kyle Koehler, Hammond B3 und Saxophonist Mark Gross zu hören. Genau der richtige Wiedereinstieg in den Sound von New Jersey. Cecil`s ist ein schöner Club für 120 bis 150 Personen mit einer schönen Bühne und hat neben einem Flügel, Drums und Gitarrenamp eine fest installierte Hammond / Leslie. Das Publikum besteht aus Leuten aus der „Nachbarschaft“, aber regelmässig sind auch eine ganze Reihe New Yorker im Publikum, darunter auch recht viele Musiker, die oft nach ihrem Gig noch `reinschauen um zu „hängen“. Wir bleiben bis zum Schluss und am Ende des Abends unterhalten wir uns noch mit Cecil über die kommende Aufnahme und gemeinsame Bekannte. Einige davon spielen gerade in München in einem “Zirkuszelt“. Es stellt sich heraus, dass das der Witzigmann `Palazzo´ ist.
Samstag und Sonntag Den größten Teil des Tages gehe ich mit Dan jeweils das Programm für die nächsten Tage durch. Wir besprechen die Arrangements, jammen die Stücke mit B3 und Gitarre und probieren Ideen aus. Es ist draußen noch schön warm, wie im August. Abends reicht meine Kraft gerade noch für ein paar Jazz DVDs. Gegen 24.00 Uhr (nach meiner inneren Uhr immer noch 6.00 Uhr morgens) siegt dann der Jet Lag, mitten in einem Jimmy Smith Trio Video.
Montag Für Nachmittags haben wir uns im Cecil´s zu einer Probe mit der ganzen Band verabredet: Dan und ich arbeiten seit 1996 unter dem Namen WE THREE zusammen und haben bisher 4 CDs gemeinsam aufgenommen, zwei davon mit Schlagzeuger Scott Neumann, der 2002 dazu kam und Duck Scott ablöste. Trompeter Freddie Hendrix und Saxophonist Pete Chavez kennt Dan aus der New York / New Jersey / Atlantik City Jazzszene und in entspannter Arbeitsatmosphäre lerne ich die beiden hier kennen. Zwischendurch ist ein Fotograf vom New Jersey Star Ledger da und macht ein paar Fotos von der Band. Gegen 20.00 Uhr beenden wir nach 6 Stunden die Probe und Dan, Scott und ich fahren in das Brasilianisch-Portugiesische Viertel von Newark, DER einstigen Jazz-Hammondorgelmetropole weltweit, allerdings dieses mal nur um die Brasilianische Küche zu genießen: Hervorragend !!
Dienstag
Tagsüber relaxen und ein wenig am Programm arbeiten, abends spielen wir als Quartett mit Pete Chavez - Trompeter Freddie Hendrix hat einen BigBand Gig - im `Detour´ , einem kleinen Club im East Village von Manhattan, der oft von Bands genutzt wird um in der unformellen Atmosphäre neue Stücke und Programme auszuprobieren. Was nicht heißt, das das musikalische Niveau dort anders ist als man von New York erwarten würde. Scott benutzt das Club-Schlagzeug und ich spiele auf dem von Bruce Saunders geliehenen Polytone Minibrute mit Alesis Midiverb - thanks Bruce ! - .
Auf dem Weg zum Auftritt essen wir bei Scott und seiner Frau in Brooklyn und ich nehme mein Gepäck (travellin´ light) gleich mit, denn ich bleibe nach dem Gig für den Rest der Zeit in ihrem Haus, das sie sich mit (Saxophonist) Andy Middleton und seiner Frau teilen. Das ist schön nahe an Manhattan...
Mittwoch
Mein Jet Lag gibt langsam seine Gegenwehr auf und um ihm den Rest zu geben will ich ins „Kavehaz“, eine Art Kaffeehaus mit Jazzprogramm. Scott spielt abends zwei Shows am Broadway und so fahre ich mit ihm nach Manhattan rein. Im „Kavehaz“ - in dem ich `96 zum ersten mal war und das früher südlich der Houston Street in Greenich Village war und jetzt in die 26th Street, Nähe Madison Spuare Park, umgezogen ist - spielt das Quartett des Gitarristen Ken Wessels mit Joel Frahm - Sax, Brad Jones - Bass und Kenny Wollesson - Drums. Das Programm besteht in der Hauptsache aus Kompositionen des Gitarristen. Eine Klasse-Band die in Deutschland schon mal 25 € Eintritt kosten kann, kann man hier manchmal für einen freiwilligen Beitrag in den Sammelbecher hören (allerdings ist der Weg zum Auftrittsort eben weiter).
Danach treffe ich mich mit Scott auf eine der seiner Meinung nach besten Pizza-Slices in Manhattan (7th Ave., 50 Meter nördlich vom Village Vanguard) und dann zurück über die Heute Abend nicht ganz so verstopfte Brooklyn Bridge, weil man die beleuchtete New York Skyline so schön sieht.
Donnerstag
Proben mit Scott in seinem Übungsraum im Keller: Wir gehen alle Stücke zu zweit mit Gitarre und Drums durch. Als wir fertig sind, rufen wir noch Andy Middleton an, ob er Lust hat `runterzukommen und etwas zu spielen. Hat er. Wir spielen ein paar Stücke unter vollem Einsatz und danach muss Andy weiter an einem Arrangementauftrag und dem Booking für seine März/April Tour (u.a. mit den `Fensters´ auch in Deutschland) arbeiten und Scott und ich machen einen kurzen Spaziergang im nahen Brooklyn Park. Abends spielen wir erstmals mit dem kompletten Quintett im Fat Cat in Manhattan. Dan kann die hauseigene Hammond C3 benutzen. Einige Sachen aus dem Programm funktionieren schon ganz gut und wir bekommen einen Eindruck wie die Stücke zusammenpassen. Ich hatte mich entschlossen über den Haus-Verstärker – einen Peavey Bandit – zu spielen und der gibt dann auch im zweiten Set, natürlich mitten im Solo, den Löffel ab. Nach einem Schnellumbau zum Polytone bei weiter spielender Band kann ich das was ich noch sagen wollte in einem weiteren Chorus formulieren - thanks again Bruce ! - . Irgendwann sagt Freddie Hendrix „Roy is in the House“ und meint damit den Trompeter Roy Hargrove und am Ende des letzten Sets steigt der dann auch ein. Nach dem Gig hängen wir noch etwas mit Gitarrist David Phelps und einem ebenfalls Gitarre spielenden Freund in der `Poolhall´ vor dem Fat Cat `rum und trinken Bier und reden über Instrumente, CDs, Musik im allgemeinen und besonderen und natürlich kriegt das Bush-Regime auch sein Fett ab. Auf der Rückfahrt nimmt die Unterhaltung nicht zuletzt wegen Dave Phelps´ schillerndem Humor beinahe surreale Züge an...
Freitag
Um 17.00 kommen Scott und ich am Cecil`s an, unser erster Set beginnt um 21.00. Wir bauen die Instrumente auf und der Tontechniker, Tommy Tedesco (nicht verwandt mit dem Studio-Gitarristen, aber als engineer bei Hammondorgelaufnahmen ähnlich bekannt) verkabelt die Mikrophone und checkt die Pegel. Ich benutze für meine L5 den Fender Twin Reverb der auf der Bühne steht und den ich bei der Probe am Montag schon ausprobiert habe. Dan spielt auf der alten aber guten Cecil`s - B3 die auch für Aufnahmen schon verkabelt ist.
Nachdem wir für den Soundcheck nochmal einige Stücke durchgegangen sind haben wir noch etwas Zeit zum Entspannen, bevor es los geht. Nach Cecil Brooks Ansage beginnen wir den ersten unserer 3 Sets mit einem Blues von Richard `Groove´ Holmes, Blues All Day Long. Neben 4 Stücken von mir stehen Kompositionen von u.a. Jimmy Heath, John Coltrane, Woody Shaw, Booker Little auf dem Programm. Auf jeden Fall zu viel Musik für eine CD, aber man wird sehen was dann letztendlich für die Veröffentlichung ausgesucht wird. Zum zweiten Teil ist der Club schon gut gefüllt und die Stücke und einzelnen Soli werden auch reichlich mit Zwischenrufen aus dem Publikum kommentiert. Am Ende des Abends haben wir 3 Stunden Musik aufgenommen und bleiben noch bei Cecil Brooks und `free drinks´ mit dem Club Personal sitzen, bis es eher schon wieder früher und nicht mehr später wird.
Samstag
Gegen Mittag komme ich aus dem koma-ähnlichen Schlaf wieder zurück. Nach einem sehr späten Frühstück beginnt der Tag ganz langsam. Nach einem Einkauf in der `food co-op´, einer Art Biosupermarkt für Mitglieder, spiele ich nachmittags etwas Gitarre und gehe dann im Kopf nochmal einige Stücke für den Abend durch. Wir spielen eigentlich nochmal das gleiche Programm mit Variationen: Ein zusätzliches Ballad Feature für Dan - Don`t Misunderstand aus dem zweiten `Shaft´-Film, dafür hatten wir am letzten Samstag extra den Film aus einer Videothek geliehen - und eine andere Reihenfolge der Stücke, da wir einige nicht nochmal aufnehmen brauchen und kurzfristig neue ins Programm nehmen.
Um 18.00 gehen wir indisch Essen in der Nachbarschaft in Brooklyn und sind um 20.30 wieder im Cecil´s.Erstmal schauen wir uns einen Zeitungsartikel an, den Down Beat und Jazz Times Mitarbeiter Zan Stewart im New Jersey Star Ledger über Dan Kostelnik und We Three und unsere Aufnahme geschrieben hat und der unser Engagement im Cecil´s ankündigt. Dann kurz die Gitarre stimmen und der Abend beginnt wieder mit einer Ansage des Clubbesitzers. Wir spielen bis gegen 1.30 Uhr und hinterher kommen noch Musiker aus dem Lincoln Jazz Center Orchestra, die sich den letzten Set angehört haben, zur Bühne um ein paar Worte zu wechseln.
Sonntag Seit einigen Tagen ist der Winter auch in New York angekommen. Es schneit regelmäßig und alles sieht pflichtgemäß weihnachtlich aus, die Temperaturen sind definitiv `unten´. Genau das richtige Szenario für den Tagesplan. Am frühen Abend fahre ich mit Scott Neumann zu seinem Broadway Gig. Ich höre mir das Musical in dem er zur Zeit spielt - `Avenue Q´ - aus der Perspektive der Pit-Band, dem Orchestergraben, an. Danach will mir Scott unbedingt das Rockefeller Center zeigen. Wir fahren ganz rauf im nach oben verglaßten Highspeed-Fahrstuhl und der Blick über Manhattan und New Jersey bei Dunkelheit und voller Weihnachtsbeleuchtung lässt einen wirklich die arktische Kälte und den schneidenden Wind auf der Freiluftplattform fast vergessen. Wieder unten angekommen treffen wir uns wie verabredet mit Dan Kostelnik und gehen in einen Broadway Nachbarschafts Pub - dahin wo die Orchestermusiker trinken – und besprechen, nur abgelenkt durch Football Spiele auf mehreren Bildschirmen und 100 Biersorten, die Aufnahme und die nächsten Pläne für die Band: Auftritte in Deutschland Ende März und im November `06 wieder in den USA. Aufsehen erregt meine Bestellung von Pernod - ` That`s real european ! ´ - . Die Flasche ist auch fast nicht auf zu bekommen. Abschließend noch ins Village Vanguard zum letzten Set eines einwöchigen Jim Hall Trio - Engagements (mit Steve LaSpina und Terry Clark). Die Stimmung auf der Bühne und im Publikum ist ganz entspannt und jedes Stück eine Perle. Ein magisches Konzert.
Montag Scott unterrichtet Montags Schlagzeug an einem College und ist schon früh losgefahren. Ich mache mich für die letzten Stunden noch mal auf den Weg nach Manhattan rein um ein paar Fotos zu machen und ein paar Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Zum Schluss noch einem Hazelnut-Kaffee in einem Greenich Village Cafè und zurück nach Brooklyn. An den elektronischen Nachrichtenbannern, die es nicht nur am Times Square gibt, ist zu lesen, dass ziemlich genau für die Startzeit von Delta 106 ein Schneesturm an der US-Ostküste vorhergesagt ist. Um 17.00 Uhr lade ich Tasche und Gitarre ins bestellte Taxi und unter reichlich Flüchen des Fahrers über die vollen Strassen – und nach abenteuerlichen `Abkürzungen´ durch Wohngebiete jenseits des Tempolimits – komme ich rechtzeitig am JFK – Airport an. Nach dem Einchecken meiner Tasche mache ich mir in der Delta Lounge noch ein paar Notizen über die letzten 10 Tage. Jetzt muss ich nur nochmal die L5 im Gigbag als Handgepäck an Bord bekommen.
Abflug NY, JFK Airport um Montag 20.45 - Ankunft Frankfurt Dienstag, 10.30 Ortszeit
Michael Arlt
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