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Archtop-Germany Konzerte Thomas Brendgens & John Stowell in Wiebaden |
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Auch ohne Archtops ein großartiger Jazzgitarren-Abend Eine korpuslose SoloEtte und eine schon recht mitgenommene klassische Gitarre, dazu ein mächtiger Roland Jazz Chorus und ein kleiner AER Alpha, der mit der Rückseite zum Publikum steht - aus diesen Zutaten kann ein besonderes Jazzgitarrenerlebnis entstehen, wenn besondere Musiker ihre Hände im Spiel haben. Ein solches Erlebnis haben John Stowell und Thomas Brendgens-Mönkemeyer am zweiten Maisonntag einem gebannten Publikum im Kerzenschein-Ambiente des Wiesbadener Walhalla-Studios bereitet. Das Duo mischte bei seinem Besuch in Hessen, der Teil einer einwöchigen Konzerttournee durch Deutschland mit Stationen in Hamburg, Oldenburg, Hannover, Freiburg und eben Wiesbaden war, Standards (You and the night and the music, What is this thing called love) in oft überraschenden Arrangements (Body and soul im 3/4-Takt) mit neueren Kompositionen (Steve Swallows Falling Grace, Kenny Burrells Togethering, A. C. Jobims Caminos Cruzados) und Eigenkompositionen - neben I wish und Ingo's waltz (dem Aufnahmeleiter der aktuellen CD des Duos gewidmet) von John Stowell auch eine Reihe von Stücken, die Thomas vor längerem geschrieben und nun für dieses Duo-Projekt wieder ausgegraben hat (From Memphis to Paris, Breathing, Better now than never). Mit den ersten Tönen von You and the night and the music war klar: Das ist ein Abend der Filigrangitarristik mit kunstvoll verwobenen Linien, ständigen bruchlosen Rollenwechseln und fein nuancierter Dynamik. John, tief versunken, die Augen geschlossen, spielt weitgespreizte, pianistisch-flächige Voicings und kombiniert fließende Linien mit überraschenden Intervallen. Thomas, ein wenig extrovierter, groovender, liefert rhythmisch abwechslungsreiche Basslinien mit viel gefühlter Time; Skalen, Arpeggios, Double-Stops und Akkorde verbinden sich zu Soli aus einem Guss. John Stowell spielt eine sehr eigene Hybridtechnik mit einem transparenten Mini-Pick, das auf wundersame Weise mal am Daumen, mal am Zeigefinger zu haften scheint, je nachdem, welchen Finger John gerade wofür braucht. Die übrigen Finger setzen die Linien und Arpeggios, die mit dem Pick im tieferen Register eingeleitet werden, ohne Brüche auf den hohen Saiten fort. Diese Technik ist schlichtweg phänomenal. Sie erscheint dennoch nie als Selbstzweck, sondern ist immer zutiefst musikalisch. John und Thomas haben dem Publikum, das dem zweistündigen Auftritt mit uneingeschränkter Konzentration folgte, alles andere als leichte Kost geboten. Wer aber nur die Emotion bedient haben wollte, hatte es möglicherweise nicht ganz leicht. Und was steckt nun hinter der Idee, den AER Alpha vom Publikum wegzudrehen und ihn den rückwärtigen Teil der Bühne beschallen zu lassen? Dazu erklärt Thomas, dass er erst kürzlich mehr oder weniger zufällig auf diese Idee gekommen ist. Geeignete Bühnenverhältnisse vorausgesetzt, erreicht er so zumindest für seine alte Studiengitarre, der er einen Piezo spendiert hat, eine gleichmäßigere Verteilung des verstärkten Klangs im Raum, auf jeden Fall akustischer, ohne die häufig nervenden elektrischen Anteile und ohne dass einem der Ton unangenehm ins Gesicht springt. Im Wiesbadener Walhalla war das Resultat absolut überzeugend und hat seinen Teil zu einem Gitarrenabend vom Feinsten beigetragen. Michael Herweg
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