Archtop Germany Konzertberichte

Larry Coryell & Thomas Brendgens-Mönkemeyer in Dortmund 14.12.2008
von Dr. Michael Herweg

 

Coryell & Brendgens by Lothar PotnekLarry Coryell hat im Dezember im Rahmen einer kleinen Clubtournee einige Konzerte in Deutschland gespielt. Für seinen Auftritt im Dortmunder Domizil hatte er Thomas Brendgens-Mönkemeyer als Gast eingeladen.

Thomas hat den Abend mit vier Stücken auf seiner Klassikgitarre von Albert & Müller eröffnet: Wisdom of Notes von Fred Fried, seiner Eigenkomposition Lightness, dem Standard It could happen to you sowie John Abercrombies Ralph's piano waltz.

Ein Set voll filigranen Gitarrenspiels, mit durchdachten Arrangements, differenzierter Dynamik und Tongebung und perfektem Timing. Besonders schön die künstlichen Flageoletts in Ralph's piano waltz.

Nach diesem feinen Auftakt kam dann Larry Coryell in gemächlichem Schritt für seinen Soloset auf die Bühne. Er rückte noch mal kurz seine Parker Archtop im Ständer neben sich gerade, lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück, legte sich seine blaue Parker Flattop beinahe in Freddie-Green-Haltung zurecht - der Altmeister war offenbar in sehr besinnlicher Vorweihnachtsstimmung. Mit den ersten Tönen haute er dann aber gleich mächtig auf die Pauke, entfachte auf der Stelle ein wahres Feuerwerk aus kraftvollem Fingerstyle, mächtigen Block Chords und Oktaven mit dem Daumen und Fusion-getränkten Single-Note-Eruptionen mit dem Plektrum.

Themen reißt Coryell meistens nur kurz an, benutzt die Stücke als Vehikel für frei assoziierende Improvisationen, in denen er ständig zwischen den verschiedenen Anschlagsarten hin und her wechselt und sich frei durchs Metrum bewegt. Zum Aufwärmen gab es eine längere Fantasie mit Andeutungen von S'wonderful gegen Ende, danach Coryells Hommage an Billy Cobham Spaces revisited, gefolgt von Blue Monk und Impressions, alles immer recht witzig gespickt mit kurzen Zitaten berühmter Kollegen.

Zunächst fast schon konventionell dann Coryells Herangehen an Our love is here to stay mit Zitaten aus Li'l Darlin', das er, wie er sagte, "my new wife Tracy" gewidmet hat. Hier wurde das Thema zunächst schulmäßig harmonisiert, bevor dann ausgiebige künstliche Flageoletts für harfenähnliche Klänge und die entsprechende Stimmung sorgten - hier hat offenbar jemand sein Glück gefunden.

Die Beatles-Nummer She's leaving home setzte die ruhigere Phase fort, in der Coryell durch seine variablen Anschlagstechniken und -positionen reizvolle Klangfarben und Stimmungen erzeugte. So auch in einer Fantasie über Bachs D-moll-Präludium, die nahtlos in Orfeo Negro überging. Das Publikum reagierte auf diese Atempause sehr dankbar.

Zum Schluss des Solosets gab es dann Ravels Bolero wieder mit voller akustischer Fusion- und Rockjazz-Power, ein kleines dramatisches Meisterwerk, das Highlight des Sets.

Danach kam noch einmal Thomas Brendgens-Mönkemeyer mit seiner Nylonstring für zwei Duo-Stücke auf die Bühne, für die Larry Coryell dann schließlich doch noch zu seiner Parker Archtop griff. Nach How my heart sings wurde ein äußerst stimmungsvolles Nuages gespielt. Herausragend hier Thomas' Solo, in dem es ihm gelang, ohne ein einziges der vielen Klischees auszukommen, die man leider allzu oft hört, wenn diese großartige Komposition als Gassenhauer kaputt gespielt wird. Auch Coryell, der das Thema gefühlvoll (aber ohne Schmalz) vorgestellt hatte, war von diesem Solo sichtlich beeindruckt und animierte das Publikum zu Sonderapplaus.

Am Klang der Parker Archtop, die wie alle Instrumente es Abends über DI Box direkt in die PA gespielt wurde, konnte man leider keine Freude haben, da ein Potentiometer massive Störgeräusche produzierte, die von der PA gnadenlos übertragen wurden.

Als Zugabe wurde ein Blues (Give me one reason) gespielt, bei dem sich Tracy Coryell als ausgezeichnete Sängerin vorstellte. Hier ließ Thomas es sich natürlich nicht nehmen, mit dem Bottleneck, den er offenbar für solche Gelegenheiten immer in der Tasche hat, über die Nylonseiten zu gleiten. Und schließlich als Abschluss, mittlerweile wieder auf der Flattop, Larry Coryell noch einmal solo mit einem fulminanten Spain, bei dem sich das Publikum als Rhythmusgeber betätigen durfte.

Larry Coryell kam im Domizil als eine sehr relaxte und trotz seines erkennbaren Selbstbewusstseins ausgesprochen sympathische Erscheinung rüber. Als der Saal schon leer war und die Techniker die Kabel einrollten, stand er wieder auf der Bühne, begleitete seine Frau unverstärkt bei einem Weihnachtslied und murmelte: "beautiful, so beautiful". Yes, indeed.

Websites:

Larry Coryell     Thomas Brendgens-Mönkemeyer   Foto by Lothar Potnek

 

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