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Archtop-Germany Konzerte Massoud Godemann Trio im Birdland / Hamburg 29.05.07 von Stephan Neetenbeek |
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Also erst mal den Straßenstaub mit einem guten norddeutschen Bier aus der Kehle spülen. Die Band betritt also die Bühne zu einem zweiten Set, das Setup ist beinahe das übliche, ein kleines Schlagzeug, Kontrabass mit Tonabnehmer und Amp, Gibson an Fenderamp. Als die Band beginnt zu spielen, ist jedoch sofort klar, dass hier etwas außergewöhnliches vor sich geht, das weit über die Erfahrung der Ohren hinausweist. Das Trio stimmt sich mit einer langen Klangimprovisation ein, in der alle Musiker tonale Aufgaben übernehmen und die schließlich in eine kraftvolle Komposition mündet. Beim Massoud Godemann Trio handelt es sich ja nicht um eine immer neu zusammen gewürfelte Besetzung, die Band arbeitet kontinuierlich und bringt Musik und Zusammenspiel dabei auf ein immer höheres Niveau. So funktioniert die Kommunikation zwischen den drei Musikern automatisch, eingespielt, beinahe schlafwandlerisch. Exzellent Michael Pahlich, der seinem Schlagzeug große Dynamik vom Flüstern bis zum Schreien abringt und mit seinen ständig permutierenden Grooves eine bewegte und variantenreiche rhythmische und klangliche Basis für die Entdeckungsreisen der beiden Saitenbeweger Godemann und Gerd Bauer bereitet. Gerd Bauer wirkt hinter seinem Kontrabass wie der ruhende Pol der Band und tatsächlich erfüllt er auch oft die wichtige Rolle des Pulsgebers, ohne ständig four-to the-bar Klischees zu bedienen. In den freieren Passagen malt er in Bass und Bogen wunderschöne Klanglandschaften, seine Soli sind melodiös, geschmackvoll und virtuos. Virtuos ist auch eines der ersten Stichworte, die einem zu Massoud Godemann einfallen, seine Instrumentenbeherrschung muss er aber nicht in kraftmeierischen Endloslinien vorführen, sein Spiel hat Dynamik und Finesse, die musikalisch-klangliche Gestaltung gerade leiser Passagen zeugt von seiner immensen Musikalität und Meisterschaft. Ein fester Bestandteil seines runden Sounds ist seine immer präsente Falsettstimme, mit der die sangliche Qualität seiner Linien und Melodien unterstreicht. Godemann sucht und findet denn auch sofort den Kontakt zum Publikum, dieses Trio ist für die Leute da. Nach einem Set, das – ausschließlich mit Eigenkompositionen Godemanns, die mit ihren melodischen, freien, ostinaten, ruhigen und galoppierenden Passagen alle musikalischen Parameter ausloten – einen großen dramatischen Bogen spannt, verlangt das Publikum vehement nach Zugaben. Die zarte wie abstrakte Interpretation des Miles Davis zugesprochenen Klassikers Blue in Green beruhigt die Audiogeschmacksknospen noch einmal wie ein kühlendes Sorbet, bevor das Trio mit einem kraftvollen Blues seine Restenergie in das dankbare Publikum pumpt. Eine bewegende und gute Erfahrung. Meine Empfehlung: Wenn das MG3 mal in eurem Dorf spielt, geht hin!
Stephan Neetenbeek
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