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Alexander Jung - Lorenzo Petrocca Quartett
im “Le Pirate”, Rosenheim, 16.06.2010”

petrocca & jungIm Jung/Petrocca Quartett treffen mit dem in München lebenden Nachwuchsgitarristen Alex Jung und dem italienischen Gitarristen Lorenzo Petrocca zwei Generationen der Jazzgitarre aufeinander. Ungeachtet der Jahre, die sie trennen, verbindet die beiden vor allem ihre große Liebe zum Mainstream-Jazz und seinen großen Gitarrenduos wie Joe Pass/Herb Ellis, Jimmy Raney/Doug Raney oder Jim Hall/Atilla Zoller. Das Repertoire der Band besteht aus bekannten Kompositionen des „Great American Songbooks“, Bebopklassikern und stilechten Eigenkompositionen. Hinter den beiden Gitarren garantiert die Rhythmusgruppe, bestehend aus Johannes Ochsenbauer am Bass und Michael Keul am Schlagzeug
sensible Interaktion und einen kochenden Groove.”

Soweit erst mal die Pressemitteilung des Quartetts, der im Wesentlichen nichts hinzuzufügen ist, trifft sie doch im Kern der Sache auf den Punkt. Was ein Kenner der Szene im Vorhinein aber schon ahnte, bestätigt sich schnell nach wenigen Spielminuten: Hier sind nicht nur zwei verschiedene Generationen von Jazzgitarristen am Werk, sondern auch zwei grundsätzlich verschiedene Typen von Spielern (bitte verzeiht mir, wenn ich ein wenig generalisiere ;-)

Da ist zum Einen der recht locker aus dem Bauch spielende Autodidakt Lorenzo Petrocca, der seinem Spiel auch seine italienisch-musikalische Seele beisteuert. Zum anderen der denkende und bestausgebildete Alex Jung, dessen Wurzel ein so ebenso meisterlich denkender Jim Hall ist.

Dieser Unterschied war wirklich zu hören und auch zu sehen. Um es kurz zu machen, die beiden haben sich prächtig ergänzt und es war für alle im Publikum ein großes Vergnügen, der Kommunikation der beiden zu folgen. Nach zwei Zugaben gab das Publikum denn endlich auch Ruhe. Wirklich: Italien-Deutschland 1:1 ;-)

Kongenial begleitet wurden die beiden Gitarrenvirtuosen von Bassist Johannes Ochsenbauer und Drummer Michael Keul, die auch als Solisten zu glänzen wussten. Ebenfalls vergnüglich war die Tatsache, dass es sich bei dem Quartett um keine Working-Band handelt, sondern sich ein Spaß an der musikalischen Interaktion einstellt, der spürbar und sichtbar ist.

Aber der Abend war nicht nur vom Quartettspiel geprägt. Jeder der Gitarristen gönnte sich ein Trio mit Bass und Drums, die Gitarrenduos ohne Begleitung waren von sehr schöner intimer Zwiesprache durchzogen und viele der Stücke hatten wunderbare solistische Intros oder Outros.

Das Repertoire bestand im wesentlichen aus Standards, die sehr schön, oftmals zweistimmig gesetzt, interpretiert wurden (“Cherokee” im Affenzahn, “7 come 11” dicht swingend oder “Peace” warm und weich sumend). Aber auch jeder der Gitarristen steuerte eine Eigenkomposition bei, die in diesem Bereich klar das oben gesagte bestätigten.

Wer die Gelegenheit hat, dieses Quartett zu hören, sollte es sich nicht entgehen lassen, es macht wirklich Spaß. Heute Abend (17.06.) ist die Band in der Unterfahrt in München zu hören.

Wie immer war die Athmosphäre im “Le Pirate” in Rosenheim sehr dicht und intim: Schön für Musiker und Publikum. Dies ist nicht zuletzt der Chefin des Pirate zu verdanken: Petra Millers liebe zu dieser Art von Musik steckt eben auch in ihrem Lokal. Die Herzlichkeit, mit der sie Musiker und Gäste behandelt, sucht ihresgleichen. Sie sorgt auch immer wieder für Überraschungen in ihrem Pirate. So ist es ihr gelungen, für den 28.07. Karl Ratzer zu engagieren. Ich habe schon reserviert ;-)

Andreas Polte 17.06.2010

Le Pirate    Alexander Jung   Lorenzo Petrocca

 

 

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