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Archtop-Germany Portraits Andreas Polte |
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Die Musik hat er im Blut. Das Elternhaus ist musikalisch, ein Großvater war Violinist, ein Urgroßvater Dirigent. Andreas, Jahrgang 1958, macht sein Abi in Bergneustadt bei Köln. Ein griechischer Freund regt den 16jährigen zum Gitarrespielen an. Er bekommt eine Höfner Nylonstring und Unterricht, der ihn allerdings frustriert und zum Autodidakten macht, der gründlich von Platten lernt. Noch 16, gründet der Genesis-Freak seine erste Band und schreibt mit 17 Songs, Mixturen aus Blues, Art-Rock und Folk. Statt Band dann Bund, wo ihn in der Kaserne ein Kamerad mit selbstgespieltem Django Reinhardt bekannt macht, der Neid und Frust auslöst, aber keine nachhaltigen Spuren hinterlässt. Wieder daheim und in Zivil, rufen ihn lokale Top-Musiker zu neuen Aktivitäten. Er spielt fast nur Einkompositionen, „eine Mischung von Santana bis Funkrock. Ein US-Sänger und -Gitarrist stößt hinzu, Pete Louis, und da hört er erstmals „richtigen“ Jazz, „Detroit style“. Er kommt auf Larry Carlton und eine ES-335. Daneben spielt er in einem Akustikgitarren-Trio „zum ersten Mal Jazz“, eine Mélange aus Swing, Gypsy Swing und Bossa. Das legendäre Album „Friday Night in San Francisco“ hat Kultstatus, also legt Polte sich eine Ovation zu. Wirtschaftliche Erwägungen verschütten den Traum vom Musikstudium. Nach dreijährigem Studium nennt er sich, jawohl, „Diplomverwaltungswirt“. Er gründet ein Septett namens „Seven Steps“ und steckt längst mittendrin, im Jazz. Wes Montgomery ist nun der Herr im Pantheon; Jim Hall, Joe Pass und Pat Martino bewahren vor purem Wes-Eklektizismus. Die Ovation und eine Les Paul Custom werden verkauft, und er ist stolzer Besitzer einer ’59er Gibson ES-175. Ende 20 ist er, als er festgefahren scheint: Er nimmt wieder Unterricht, bei Michael Borner. Er besucht Sagmeister-Workshops und nimmt Einzelunterricht bei Paul Shigihara, der heute in der WDR-Bigband spielt und den er „auch heute noch für den komplettesten Gitarristen in Deutschland“ hält. Der Mainstream bannt den frischgebackenen Archtopper. Mittlerweile ist „Fichtendecke angesagt,“ des Sounds wegen. Er spielt erst eine „Johnny Smith“ und dann eine von Claudi erworbene „Super 400“, die auch heute noch sein Hauptinstrument ist. Andreas organisiert zahlreiche regionale und überregionale Konzerte, Themen-Events und Festivals und gemeinsam mit Stefan Heidtmann das alljährliche dreitägige „Jazzmeeting Oberberg“. Der „Spezialist für Leute, die nicht kapieren, wie man improvisiert, unterrichtet Einzelschüler. Studiert an der Fern-Uni Hagen „Kulturmanagement“. Und bringt seine erste CD heraus, „Some of the songs I did“, einen Längsschnitt durch die Entwicklungsjahre. Dann fällt der Vorhang. Eine „sehr seltene Herzkrankheit, die weder operabel, noch heilbar ist“ bringt ihn für lange Zeit ins Krankenhaus und dann in eine Phase der „Neuorientierung in allen Bereichen“ inklusive geographischer Veränderung. Aber „weil ich ja eigentlich nichts anderes mehr zu tun hatte, packte mich die Musik ganz und gar“. Seitdem beherrsche ihn „eine kreative Unrast“. In der Klinik macht er aus deutschen Weihnachtsliedern Mainstream, gründet später mit Alexander Hopff, p, und Martin Zobel, flh ein Trio und nimmt die CD „Christmas Jazz“ auf.
Weitere Umzüge, weitere Pausen vom Musikmachen. In den Neuen Ländern erfährt er Unglaubliches: dass westdeutsche Jazzmusiker nicht wohlgelitten seien („Wenn ein Veranstalter hörte, woher ich kam, war der Kontakt erledigt“). Wieder ein Stück weiter erinnert er sich an zwei Archtop-Meetings, die er einst in Nordrhein-Westfalen veranstaltet hat, für Freunde und Bekannte. So was will er wieder machen. Aber nun denkt er an „viele weitere Archtop-Gitarristen in Deutschland“. Und „was ist mit den Herstellern und den Händlern?“ Mehr und mehr Namen schreibt er in seine eigene Homepage. Dann geht alles ratzfatz, und er hat ein Konzept „für eine große Website“, in der es exklusiv um die „Archtop-Szene in Germany“ gehen soll. Das sei keine „Deutschtümelei“, sondern „beschränkt das Thema lediglich auf ein zu bewältigendes Maß. So was gibt es nicht im Internet. Und alle Gitarristen und Bauer und Firmen, die er kontaktiert, raten ihm zu. „Archtop-Germany ist sehr, sehr schnell die größte und informativste Internet- Plattform zum Thema Archtop-Szene in Deutschland geworden… Es erreichen mich viele begeisterte und ermutigende Emails und Anrufe. Es werden immer mehr. Mails aus Japan, den USA, England, Holland, Polen und Österreich bitten um Tips oder Hilfe. Archtop-Germany läuft ausgesprochen gut an! Es gibt fast täglich Updates.“ Wirklich alle Facetten um das Instrument will er mit www.archtop-germany.de abdecken, sagt er. Es gibt bereits eine „Archtop-Germany CD des Jahres“ („filigran“ des Acoustic Art Trio mit Klaus Sye an der D’Aquisto). Bald schon soll ein „Archtop-Germany Award“ folgen, „mit dem Personen bedacht werden, die sich besonders um die deutsche Archtop-Szene verdient gemacht haben.“ Schmankerl: Die Preisträger werden in den Folgejahren gleichberechtigt mitstimmen, wenn es um die Jahres-CD und die weiteren Awards gehen wird. Das „Archtop-Meeting“ übrigens ist keineswegs vom Tisch, auch wenn Andi Polte bereits neue Streiche im Kopf herumspuken, ein Buch über Archtop-Bauer vielleicht. Oder sogar ein Label. Wer weiß. Und wieder selbst mehr spielen wird er auch. Was das „Archtop-Meeting“ angeht, sagt er, da fehle es noch an einem geeigneten Ort und mehreren Sponsoren. Interessierte mögen sich melden, bei andipolte@aol.com. „Das Meeting wird ein oder zwei Konzerte, eine Ausstellung, Raum zum Fachsimpeln, zum Jammen und vieles mehr bringen.“ So eine kleine, feine deutsche Archtop-Messe, träumt er, das wär’s doch. Alexander Schmitz
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